Wodurch werden Eltern heutzutage verunsichert?

Noch nie gab es so viel Informationsmaterial, Beratung und Fördermöglichkeiten wie heutzutage. Doch macht es das für Eltern leichter? Fühlen sie sich dadurch besser informiert? Viele Eltern sind verunsichert, welcher Experte nun recht haben könnte: der Arzt, der Lehrer, der Therapeut oder wäre Abwarten vielleicht doch einfacher und richtiger auf dem Weg zu Lernen lernen?

 

Welches Geheimnis steckt hinter Lernen lernen?

Viele Eltern bewegt die Frage, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, fördernde Maßnahmen für Lernen lernen zu ergreifen. Sie sind hin und her gerissen, zwischen der Bewertung der Schule und den eigenen Beobachtungen. Wie lange sollen sie zuwarten? Eltern möchten ihr Kind nicht verunsichern, dass es Lernschwierigkeiten hat. Sie sehen, wie ihr Kind leidet und wie Schulfrust entsteht, der in Verweigerungstaktik enden könnte. Die daraus erfolgenden Lernschwierigkeiten und Spannungen zerreißen die Familie. Kein Wochenende ist mehr schulstressfrei. Die Liste der Lernschwierigkeiten ist lang. Meist beobachten  Eltern, dass so nach und nach eine Lawine ins Rollen kommt.  Der Therapiemarathon beginnt: Ergotherapie gegen die krakelige Handschrift und zur Verbesserung der Koordination, Logopädie zur Verbesserung der Aussprache, Legasthenie-Therapie zur Verbesserung des Lesens und Rechtsschreibens, Marburger Aufmerksamkeitstraining, Auditive Wahrnehmungsverzerrung, Optometrie zur Verbesserung des Sehens, Psychotherapie zur Lenkung der Aufmerksamkeit, Nachhilfe in Mathematik usw. Alles soll das Lernen lernen erleichtern.

Nicht selten erinnert sie das Verhalten ihres Kindes stark an ihre eigenen schmerzlichen Erfahrungen  aus vergangenen Schultagen. Fragen wie „Übertrage ich vielleicht meine eigenen, ehemaligen Lernschwierigkeiten und schulischen Ängste auf mein Kind? Will ich verhindern, dass es ihm genauso ergeht? Nonverbal werden  eigene Blockaden und Glaubenssätze (ich konnte damals auch nicht rechnen)wieder aufgerufen und angetriggert. Diese blockieren das eigene Kind und werden von der Schule noch bestätigt. Lernen lernen wird so blockiert.

 

Warum ignoriert „die Schule“ das Konzept Lernen lernen?

Aussagen, wie „bei Ihrem Kind ist halt nicht mehr drin, da müssen Sie sich mit abfinden“ oder „Entweder können Sie Ihr Kind auf die Förderschule tun oder Sie geben ihm Ritalin“ sind erschütternd zumal aus dem Munde von Pädagogen. Schulische Bewertungen erhöhen den Druck auf Kinder und die Erwartungen der Eltern. Sie bringen wenig Klarheit und steigern die Verzweiflung der Betroffenen. Lehrer gelten doch als Experten in Sachen Lernen lernen. Für Schulkinder ist der Lehrer die eigentliche Kontrollinstanz. Wenn ein Kind in der Schule spürt, dass sein Lehrer ihm nicht zutraut, den Stoff zu verstehen und umzusetzen, glaubt es irgendwann auch nicht mehr an sich selber. Das ist fatal. Wie soll ein Kind Selbstvertrauen entwickeln und seine Lernschwierigkeiten überwinden, wenn es spürt, dass seine Umgebung an ihm verzweifelt. Hannah war zu Beginn der 4. Klasse sehr unkonzentriert und konnte nicht richtig rechnen. Ihre Lehrerin hatte der Mutter erklärt, rechnen sei wohl nichts für ihre Tochter. Hannah wiederholte die 3. Klasse ab den Herbstferien und durchlief ein Kompakttraining mit Elementen der Davismethode München. Anfangs war es für Hannah äußerst schwierig, Aufmerksamkeit einzustellen und mathematische Vorgänge zu begreifen (im wahrsten Sinne des Wortes).  Im Laufe des Schuljahres entwickelte sie sich prima, fing an sich selbst zu glauben und bestand am Ende der 3. Klasse als Beste ihrer Klasse den Känguru – Mathematiktest. Sie schnitt als fünft Beste der Schule ab. Dabei löste sie am besten die Aufgaben, bei denen logisches, mathematisches Denken gefordert war.

http://www.mathe-kaenguru.de/wettbewerb/

https://talentinum.de/dyskalkulie/

 

Wie kann ein Kind durch größere Fehlerfreundlichkeit besser Lernen lernen?

Ein Diktat ist gespickt voll mit Rechtschreibfehlern, das Blatt leuchtet rot und der Kommentar der Lehrer/in fordert zu vermehrtem Üben auf. Da im nächsten Diktat wieder überdurchschnittlich viele Fehler zu finden sind, ändert sich in der Wahrnehmung des Kindes (und der Eltern) nichts.  Sie empfinden, dass sich trotz vielen Übens nichts verbessert hat. Als Konsequenz wird noch mehr geübt und es bleibt ein schlechtes Gefühl der Verzweiflung zurück. Für das kindliche Selbstwertgefühl bedeutet dies, dass es einfach zu dumm ist und dass Üben eigentlich auch nichts bringt außer Stress, Druck, Kampf, Verzweiflung und weniger Freizeit. Außerdem spürt ein Kind sehr genau, was die Umgebung (Eltern und Lehrer) von ihm denkt. Das beeinflusst das Selbstwertgefühl des Kindes. Darüber helfen auch keine Doppelbotschaften (z.B. obwohl ich verzweifelt über den Leistungsstand bin, sage ich, dass alles gut wird) hinweg. Diese verunsichern betroffene Kinder nur noch mehr.

Würden bei Diktaten hingegen die Rechtschreibfehler z.B. grün markiert und anschließend die Anzahl der richtigen Worte gezählt und unter dem Diktat vermerkt, entstände ein ganz anderes Bild: nämlich z.B. 50 richtige Worte von insgesamt 80 Worten, beim nächsten Mal wären es vielleicht 55 richtige Worte… Es ließe sich also ein positiver Progress aufzeichnen, den es zu wertschätzen gelte – sprich das Üben hat sich gelohnt, was zu einer positiven Emotion führt. Auf positiven Emotionen beruht Lernen lernen. So kann intrinsische Motivation entstehen, d.h. die eigene Motivation, aus sich selbst heraus etwas lernen zu wollen. Nur so kann Selbstwirksamkeit im Menschen entstehen. Durchhaltevermögen wird belohnt.

 

Warum verhindert die Methode „Lesen durch Schreiben“ erfolgreiches Lernen lernen?

Immer wieder gibt es an den einführenden Elternabenden der Grundschulen großes Unverständnis für Anweisungen von Seiten der Lehrer an die Eltern, Rechtschreibfehler nicht zu verbessern. Ziel der Methode „Lesen durch Schreiben“ ist es, die Freude am Schreiben den Kindern nicht zu nehmen, in dem ständig die geschriebenen Worte korrigiert werden. Dieser pädagogische Ansatz ist auf der einen Seite einleuchtend. Aber wer sich erinnert, wie schwierig es ist, einmal Abgespeichertes zu löschen und durch etwas anderes zu ersetzen, der weiß, dass dieser Ansatz gehirntechnisch ineffizient ist. Nehmen wir an, Sie fahren ohne Navi zu einem bis dahin für Sie unbekannten Ort und verfahren sich mehrfach, so prägen Sie sich den Weg falsch ein. Kommen Sie nach Monaten wieder an die gleiche Kreuzung, wissen Sie genau, dass Sie hier damals falsch abgebogen sind (-> Verwirrung). Trotzdem werden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder falsch abbiegen. Die Korrektur erfordert eine gezielte Neuspeicherung und einen erhöhten Aufwand fürs Gehirn. Außerdem kommt bezüglich der Rechtschreibung die verständliche Verwirrung in der 3./4. Klasse dazu, warum jetzt Worte, die vermeintlich bis gestern richtig geschrieben schienen, ab heute falsch geschrieben sind. So funktioniert Lernen lernen nicht leicht und effektiv.

http://www.deutschlandfunk.de/lesen-und-schreiben-lernen-streit-um-die-richtige-methode.1148.de.html?dram:article_id=295898

http://herder.philol.uni-leipzig.de/projekte/alpha/frames/main5.3.htm

Wann ist der richtige Zeitpunkt für Lernen lernen im Rahmen einer Lerntherapie gekommen?

Abwarten ist in vieler Hinsicht sicherlich sinnvoll v.a. in einer Welt, die heute alles so früh wie möglich therapieren will und zum Optimalen wenden will. Die Frage ist, was ist optimal für Ihr Kind.

Grundregel:  Stellen Sie fest, dass Ihr Kind zusehends unter der schulischen Situation leidet, sollten Sie sich Unterstützung suchen.

Vergleicht man die Entwicklung eines Kindes mit dem Bau eines Hauses, so sollte ein Haus auf einem soliden Fundament stehen. Die Statik muss stimmen.

 

Was ist die Basis einer gesunden kindlichen Entwicklung für Lernen lernen?

Für jedes Kind ist ein bedingungsloser, liebevoller  Rückhalt in seiner Familie/bei seinen Bezugspersonen, in dem einen vertrauensvollen Zuspruch findet, wichtig. Ein strukturierter Tagesablauf geprägt von entspannter Atmosphäre mit klaren Ansagen erleichtert es ihm, seinen kindlichen Alltag zu bewältigen. Eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Bewegung unterstützen die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern sehr. Dies bildet das Fundament für eine gesunde kindliche Entwicklung und ermöglicht Lernen lernen.

Von Natur aus ist jedes Kind neugierig. Warum ändert sich das oft schlagartig mit Eintritt in die Schule? Je jünger das Kind, umso mehr benutzt es den kinästhetischen Wahrnehmungskanal, d.h. es lernt durch fühlen, handeln, riechen und bewegen. Erst in nachrangiger Linie benutzt es seinen visuellen und auditiven Wahrnehmungskanal. Doch gerade diese beiden werden in der Schule besonders viel bedient. Als Folge schaltet das Kind ab und bekommt nicht mit, was in der Schule unterrichtet worden ist. Die Neugier verliert sich. Die Lawine der Lernschwierigkeiten beginnt. Hierzu ein typisches Beispiel aus der Mathematik: Thema 4. Klasse: Ratenzahlung: beginne ich mit den Fachausdrücken wie Rate, Restzahlung, Barzahlung, Monatsraten… und versuche diese zu erklären, steigen viele Kinder gleich zu Beginn aus, weil sie sich kein Bild von dem Thema machen können. Fange ich mit einer Geschichte an oder lasse Kinder den Kauf eines Fahrrades spielen: ich gehe in den Laden, das Rad kostet, mein Sparschwein enthält …€, kann ich es bezahlen? wieviel fehlt mir? was mache ich jetzt? wie hoch ist mein Taschengeld? wie viele Monate muss ich sparen?…  können sich Kinder ein Bild von dem Vorgang (was bedeutet Ratenzahlung und wofür ist sie sinnvoll) machen und anschließend die entsprechenden Fachausdrücke mühelos zuordnen. Sie werden im Normalfall nicht abschalten. Somit kann Lernen lernen auch in der Schule funktionieren.

 

 

Quellen:

http://www.mathe-kaenguru.de/wettbewerb/

https://talentinum.de/dyskalkulie/

http://www.deutschlandfunk.de/lesen-und-schreiben-lernen-streit-um-die-richtige-methode.1148.de.html?dram:article_id=295898

http://herder.philol.uni-leipzig.de/projekte/alpha/frames/main5.3.htm

 

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